Stell dir vor, du bist zwölf Jahre alt. Du hast Durst, trinkst aber in der Schule lieber nichts – weil du weißt, was es bedeutet, auf die Schultoilette gehen zu müssen. Kein Klopapier, kein Seifenspender, Gestank, kaputte Türen, feuchte Wände. Kein schöner Gedanke. Und doch ist das für viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland gelebter Alltag.
- Schultoiletten in Deutschland sind in einem erschreckend schlechten Zustand – NRW ist bundesweit besonders betroffen
- Wir beantragen deshalb ein Sofortprogramm, das alle Schultoiletten in Bonn innerhalb von zwei Jahren auf einen zeitgemäßen Standard bringt
- Die Sanierung soll eigenständig und zügig erfolgen – und nicht warten, bis irgendwann die ganze Schule saniert wird
Dass Schultoiletten vielerorts in einem desolaten Zustand sind, ist kein Geheimnis – aber die nackten Zahlen sind trotzdem erschreckend. Eine Studie der German Toilet Organization (GTO) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn zeigt: Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler versucht, den Gang auf die Schultoilette zu vermeiden. Mehr als ein Viertel trinkt und isst in der Schule weniger, um nicht gehen zu müssen.
Jede dritte Schultoilette in Bonn wird mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewertet.
Fast 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, es gebe Toilettenpapier nur „selten" oder „nie". Der Aussage „Es stinkt immer" stimmten fast 42 Prozent zu. Im Durchschnitt bewerteten Schülerinnen und Schüler ihre Schultoiletten mit der Note 4,4 – und über 56 Prozent der untersuchten Schulklos wiesen sichtbare Zerstörungen auf. Besonders bitter: In Nordrhein-Westfalen berichten laut einer Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks unter mehr als 3.200 Kindern und Jugendlichen ganze 67 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler von schlechten Schultoiletten – ein bundesweiter Spitzenwert.
Saubere, funktionsfähige Toiletten sind keine Frage des Komforts – sie sind eine Grundvoraussetzung für Gesundheit, Würde und eine funktionierende Lernumgebung. Wer sich den Toilettengang verkneift, trinkt weniger, konzentriert sich schlechter und fühlt sich in der Schule nicht wohl. Das hat reale Auswirkungen auf den Schulalltag – und auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen.
Hinzu kommt: Die Schultoilette ist der erste Ort in unserer Gesellschaft, an dem Kinder unbeaufsichtigt von Erwachsenen mit öffentlichem Eigentum umgehen. Der Ort hat einen großen pädagogischen Wert. Wer hier spart, spart am falschen Ende.
Als SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn haben wir jetzt einen Antrag für ein „Sofortprogramm Sanierung Schultoiletten" eingebracht – weil die Lage keinen weiteren Aufschub verträgt. Denn jede dritte Schultoilette ist in einem sehr schlechten Zustand, wie eine Auswertung der Verwaltung zeigt.
Unser Ziel: Das städtische Gebäudemanagement legt ein Sofortprogramm auf, mit dem Ziel, innerhalb von zwei Jahren alle Bonner Schultoiletten auf einen zeitgemäßen Standard zu bringen. Das heißt: neue Keramiken, Handtuch- und Seifenspender, funktionierende Abluft, neue Fliesen sowie erneuerte Wand- und Deckenverkleidungen. Kein Flickenteppich, sondern ein echter Neustart.
Mit dem "Sofortprogramm Schultoiletten" sollen in den nächsten zwei Jahren Schultoiletten modernisiert werden.
Besonders wichtig dabei: Die Toiletten sollen nicht erst dann modernisiert werden, wenn irgendwann die ganze Schule saniert wird. Große Generalsanierungen lassen oft jahrelang – manchmal jahrzehntelang – auf sich warten. So lange können und wollen wir die Schülerinnen und Schüler nicht vertrösten. Das Sofortprogramm soll gezielt und eigenständig umgesetzt werden, damit die Verbesserungen schnell spürbar sind. Damit das zügig geht, können mehrere Sanitärunternehmen gleichzeitig beauftragt werden. Und die Mittel sollen noch in diesem Jahr in den städtischen Haushalt eingestellt werden – nicht irgendwann, sondern jetzt.
Der Antrag wird aktuell in den zuständigen Ausschüssen beraten, bevor der Stadtrat im Juni die Entscheidung trifft. Für uns als SPD ist klar: Wir wollen dieses Thema nicht auf die lange Bank schieben. Die Bonner Schülerinnen und Schüler haben es verdient, zur Schule zu gehen und dort saubere und moderne Toiletten benutzen zu können. Das klingt banal. Aber es ist längst überfällig.